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Die ganzheitliche Behandlung des Burn-Out-Syndroms

Für eine ganzheitliche Behandlung, in deren Zentrum die homöopathische Arzneiverordnung steht, ist die Voraussetzung eine ganzheitliche Betrachtung dieser modernen Krankheit. Wenn heute von so genannten „Fachkreisen“ behauptet wird, wie kürzlich in der Presse, Burn-Out gebe es nicht, es handle sich lediglich um eine Form der Depression, ist das ein weiteres Beispiel arroganter Ignoranz und ein weiterer Affront gegen die Homöopathie. Das erinnert lebhaft an den Slogan der Inquisition von 1231 „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“. Dieses Credo wurde 550 Jahre gepredigt und forderte das Opfer von Millionen Toten aus Angst vor der Freiheit des Denkens und der von Frauen ausgeübten Naturheilkunde. Schon damals gab es die konventionelle Primitivmedizin: Symptom + Mittel = Symptom-ex = Heilung. Das ist nichts als Handel mit Etiketts, mit Aufklebern, die austauschbar sind. Wie wir eine Krankheit etikettieren, ist völlig egal. Was unter dem Etikett ist, ist wichtig, nämlich ein kranker Mensch, der verstanden und aus dem Tal des Leidens begleitet werden möchte.
 

Der Begriff „Burn Out“ wird ebenso inflatorisch benutzt wie „Stress“. Es ist daher zunächst nötig, klar zu umreißen, was Begriffe aussagen. Der Zustand des Burn-Out, des Ausgebranntseins ist von der Natur als absoluter Ausnahmezustand gemeint. Das gleiche gilt für Stress. Burn-Out und Stress gehören zusammen, je nachdem wie lange der Zustand währt. Bei beiden geht es um Leben und Tod. Das ist um etliche Grade schlimmer als das chronische Erschöpfungssyndrom. Nein, beim Burnout steht der Mensch am Todestor. Ein Schritt weiter ins Aus und das gesamte Energiesystem kollabiert. Das Krankheitsbild ist daher ebenso komplex, weil kaum ein Organsystem noch regulationsfähig ist. Burnout zu therapieren erfordert daher auch weitaus mehr als eine Symptombehandlung. Die Behandlung dauert zwar relativ lange, aber durch die Rhythmisierung der therapeutischen Impulse einerseits und die aktive Mitarbeit des Patienten an seiner Konfliktlösung ist eine vollständige Ausheilung möglich.
 

 

Wie kann also ein ganzheitliches Therapiekonzept aussehen?
 

Der kleine Exkurs in die Differenzierung der verschiedenen Lebensenergien wie sie die Chinesen schon vor Jahrtausenden erkannten, dient als zentraler Wegweiser zum Verständnis des Burn-Out-Syndroms: Das Nieren-Jing, die Urnieren-Lebenskraft ist betroffen. Folglich müssen Nieren und Nebennieren gestärkt werden. Die Nieren stehen für physische schöpferische Energie (Sexualität), pränatale schöpferische Kraft = ererbte Fähigkeiten, Qualitäten, Gaben und Talente, für Identität und Sicherheit. Den Grad, wie sicher sich ein Mensch fühlt, erkennen wir daran, wie stark er/sie sich im Rücken fühlt. Die typischen „Nieren-Ängste“ sind Befürchtungen, was hinter dem Rücken geschehen könnte. Zum Nierenfunktionskreis gehören die Knochen, also das Härteste, Stabilste im Körper. Auch die Zähne sind ein wichtiger Indikator für eine stabile oder labile Nieren-Energie.
 

Der zweite wichtige Ansatzpunkt beim Burn-Out ist der Verlust des Lebensrhythmus. Das heißt, selbst die naturgegebenen Rhythmen wie Schlafen-Wachen, Essen-Hunger, Tag-Nacht sind gravierend gestört. Es fehlt dadurch auch ein Zugang zu Empfindungen, was einem gut tut, was nicht. Der Ausgebrannte leidet am meisten unter der Schlaflosigkeit, die das Nervensystem zerrüttet.  Weder Schlaftees, Bäder, Waschungen, ja, nicht einmal Schlaftabletten mögen in manchen Fällen den ersehnten Schlaf herbeizuholen. Um wieder in den natürlichen Schlaf- und Wachrhythmus zu gelangen, ist jedoch mehr nötig als Tabletten oder Globuli. Die physisch-psychische Starre des Patienten bedarf einer bewussten, körperlichen Rhythmuserfahrung.
 

Der wichtigste Lebensrhythmus ist der Atemrhythmus. Burn-Out-Patienten leiden meistens an einem hektischen, unregelmäßigen oder im fortgeschrittenen Stadium der Entkräftung auch an dem typischen „Flatteratem“ Sterbender[1]. Die Folge der unregelmäßigen Zwerchfellbewegung ist logischerweise eine Sauerstoffunterversorgung des Blutes und der Zellen. Wir setzen deshalb in der Therapie rhythmische Atemübungen[2] ein, die der Patient mit Musik ausübt. Dass geht auch im Liegen bei großer Schwäche. Da Atem Bewusstsein ist, verändert sich auch das Bewusstsein durch die Atemübungen. Das ist in der Therapie insofern ein großer Gewinn, als dem Patienten wieder Energien zufließen, um seine Situation, auch den Weg in die Burn-Out-Sackgasse anzuschauen und im Heilungsprozess den Hauptkonflikt zu lösen. Was gilt es denn einzusehen und zu ändern?
 

Ausbrennen bedingt Materie und Sauerstoff und Atmung bedingt Sauerstoff. So gebe ich die Aufgabe dem Patienten, darüber zu reflektieren:

  • Für was oder wen habe ich mich vollständig aufgeopfert?

  • War das Geldverdienen, die Karriere, die Pflichterfüllung wert, dafür bis auf die Grundfesten auszubrennen?

  • Von was war ich so begeistert/ eingenommen/ besetzt, dass ich meine natürlichen Bedürfnisse vergaß: Schlafen, Essen, Beziehung, Muße, schöpferischer Selbstausdruck?

  • Wann und woran habe ich zum ersten Mal erkannt, dass ich mich nicht mehr regenerieren kann, nur noch erschöpft und deprimiert bin?

  • Wann setzte die Schlaflosigkeit ein?

 

Ich mache dem Patienten klar, dass es menschlich ist, sich ganz und gar in eine Sache hinein zu stürzen, begeistert von etwas zu sein, sodass man Zeit, Raum und eigene Bedürfnisse vergisst. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist die Maßlosigkeit, der Kontaktverlust zu sich selbst, indem man nur noch im Außen orientiert ist und wie besessen dem Sog von „noch mehr, noch weiter“ erliegt. Es fehlt der Steuermann im System. Das führt zur inneren Leere, zu Orientierungslosigkeit und totaler Verunsicherung, weil die materiellen Werte und Ziele einen nicht mehr im Leben tragen. Ich schildere diese Gedankengänge, weil der Burn-Out-Patient in der Regel ein intelligenter Mensch ist und verstehen möchte, was mit ihm/ihr geschehen ist. Es wird außerdem klar, dass der Patient an seinem Heilungsprozess aktiv mitzuwirken hat. Ich sende diese Gedanken auch voraus, weil bei einer Krankheit in Todesnähe mehr geschehen muss als homöopathische Mittel zu verschreiben. Daher die rhythmischen Atemübungen und weitere Übungen, die ich verordne.
 

 

Kommen wir zur homöopathischen Behandlung.
 

Arzneien, die einen Menschen vom Todestor wegbringen, müssen eine große Schubkraft haben. Das sind syphilitische Arzneien wie Mercurius solubilis und Syphilinum, harte Säuren wie Muriaticum acidum, Fluoricum acidum, auch Nitricum acidum. Eine andere Arzneigruppe hat ideale Voraussetzungen, die Lebenskraft, vor allem das verbliebene Nieren-Jing und den Nieren-Funktionskreis machtvoll anzuregen: die Giftschlangen. Je giftiger, ums so stärker ist die Stoß- und Schubkraft. Da es beim Burn-Out so sehr um Leben und Tod geht und eine schnelle Entscheidung notwendig ist, wohin die Reise geht – in den Körper hinein oder aus dem Körper heraus?-  wähle ich im schwerwiegendsten Fall den westaustralischen Inland-Taipan, Oxyranus microlepidotus, oxyu-m, die giftigste Schlange der Erde. Die bei einem einzigen Biss sezernierte Giftmenge hat die Kraft, 100 Menschen in wenigen Sekunden zu töten. Das homöopathisierte frische Gift der harmlos aussehenden, relativ kleinen Schlange wandelt zum einen die enorme Dynamik der Giftwirkung in einen kräftigen Heilungsschub um.  Zum andern spiegelt sich in der Harmlosigkeit des Aussehens der Werdegang des Burn-Out-Syndroms und in der Totalität der Giftwirkung die Totalität des Burn-Out. Das ganze System kollabiert bei der realen Vergiftung, das ganze System wird angeregt vom homöopathischen (Gift-) Mittel.
 

Die Symptome des Inland-Taipan (Oxyranus) sind zwar noch wenig erforscht. Aber unter den Heilpraktikern und Ärzten, die bei mir die Miasmatische Homöopathie erlernt haben, ist er inzwischen integriert als immer wichtiger werdendes Mittel in der Karzinogenie und Syphilinie. Bis jetzt kann ich sagen, dass stets der gesamte Stoffwechsel, die Zellatmung, unterstützt durch die genannten Atemübungen und der Tag-Nachtrhythmus aktiviert werden. Ich erlebe Taipan als Simile zum Werdegang des Burn-Out und zur Dynamik, die notwendig ist, ins Leben zurück zu kehren. Das Mittel hat eine immense Aufrichtekraft, die noch um ein Vielfaches stärker ist als die der Kobra. Vor allem aber ist es die unerhörte Schnelligkeit, mit der die Schlange real durch ihr Gift und ihre homöopathische Energie „zupackt“. Das mache ich mir inzwischen auch in der Krebstherapie zunutze, wenn die Organfunktionen hergestellt.
 

Wie nun die Mittel, wann und in welcher Potenz verordnet werden, muss am individuellen Beispiel entschieden werden. Das ist etwas, was im Team einer Therapeutengruppe erarbeitet wird. Es lohnt sich, so etwas mal „live“ mitzuerleben, um einerseits die Angst vor dieser schwere Pathologie zu verlieren und andererseits zu verstehen, welche Frühzeichen es zu beherzigen gilt.
 

Natürlich habe ich auch ein Buch dazu geschrieben, erschienen im Narayana Verlag. Es ist aber noch mal etwas ganz anderes, im Kurs zu erleben, wie diese schwere Zeitgeistkrankheit zu erkennen und erfolgreich zu bewältigen ist.

 


[1] Die Bauchdecke unterhalb des Sternums flattert schnell, der Atemstrom erreicht nicht mehr die Flanken, das Zwerchfell bewegt sich nur teilweise.

[2] Siehe dazu die 4 Bände und die Übungs-CD von Harald Knauss: Spirituelle Heilkunst“. Narayana Verlag